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Graphik mit typischen ADHS-zugeordneten Symptomen

ADHS oder ADS im Erwachsenenalter

Ja, ADHS im Erwachsenenalter gibt es. Nein, ADHS wächst sich mit dem Älter-Werden nicht aus, die Symptome verändern sich aber.
Die motorische Unruhe nimmt ab, andere Symptome wie z.B. eine stetige innere Unruhe, Unaufmerksamkeit, desorganisiertes Verhalten und die Unfähigkeit sich zu entspannen und zu erholen, treten in den Vordergrund. 

Kriterien für ADS/ADHS laut Wender-Utah
Was ist ADHS oder ADS überhaupt?

ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom,
ADS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (also ohne Hyperaktivität).​​

Syndrom wiederum bedeutet das gleichzeitige Vorliegen von mehreren Symptomen. ​

Die Bandbreite der möglichen Symptome wird in den sogenannten Wender-Utah-Kriterien beschrieben. 

Es gibt sogenannte Kernsymptome und Begleitsymptome.

ADHS kennzeichnet sich bei Kindern und Jugendichen durch die drei Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Mit dem Ältern-Werden verändern sich die Symptome.

Nicht bei jedem Betroffenen sind alle Symptome vorhanden bzw. stark ausgeprägt.

"Unaufmerksamkeit" ist aber immer ein zentrales Symptom.

"ADS oder ADHS ist eine neurologische Konstitution (Art zu sein), die bestimmte psychische Effekte mit sich bringt"

zitiert aus: Nicolai Semmler, Psychotherapie Aktuell, 1/2024

Begriffe Order und Chaos als Bild für ADHS (Image by Brett Jordan, Chaos und Ordnung )
Wie zeigt sich ADHS im Erwachsenenalter?

Die bei Kindern häufig auffällige körperliche Unruhe richtet sich mit zunehmendem Alter oft nach innen. Das heisst, Betroffene zappeln weniger, fühlen sich aber häufig nervös und/oder gestresst. (Gefühl der inneren Unruhe oder Getriebenheit).

Die verminderte Aufmerksamkeit lässt sich bei nahezu allen Erwachsenen mit ADHS finden.

Betroffene Erwachsene neigen oft zu unüberlegten Geldausgaben und unüberlegten (Spontan-)Entscheidungen.

Im Berufs- und im Privatleben erreichen Erwachsene aufgrund dieser Symptome oft nicht die Ziele, die sie sich ursprünglich gesteckt hatten, was bei vielen einen starken Leidensdruck erzeugt.

Sie vergessen Termine, halten Absprachen nicht ein, verzetteln sich ständig und es gelingt den Betroffenen häufig nicht, planvoll bei einer Sache vorzugehen.

Mehr über typische Verhaltensweisen von Erwachsenen mit vermutetem ADHS finden Sie in den unten angeführten Blog-Beiträgen.

Braucht ein Erwachsener mit (Verdacht auf) ADS oder ADHS unbedingt eine Behandlung?

Nein, es hängt von der Schwere der Symptome und dem empfundenen Leidensdruck ab. 

Wenn eine Behandlung in Betracht gezogen wird, bewährt sich häufig eine Kombination aus pharmakologischer und nicht-medikamentöser (z.B. klinisch-psychologischer) Behandlung.

Wie hilft eine klinisch-psychologische Behandlung bei (Verdacht auf) ADS oder ADHS?

Es gibt inzwischen eine Vielzahl an unterschiedlichen nicht-medikamentösen Behandlungsansätzen bei ADHS im Erwachsenen-Alter.

Besonders empfohlen (siehe S3-Leitlinie bei ADHS laut AWMF) werden dabei die Psychoedukation und Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie.​​

Zu einer sinnvollen psychologischen ADHS-Behandlung bei Erwachsenen gehören immer mehrere Säulen: u.a.

Psychoedukation

Informationen über ADHS, typische Symptome und Erscheinungsbilder im Alltag, Abgrenzung zu anderen Diagnosen, neurologische Grundlagen, Erarbeitung von realistischen Behandlungs-Schwerpunkten, evtl. Miteinbezug von Familienangehörigen

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Klinisch-psychologische Begleitung

Gestaltung sozialer Interaktionen, Umgang mit Stimmungsschwankungen, emotionaler Umgang mit der (eventuellen) Diagnose, innere Neu-Orientierung, Neu-Bewertung gemachter Erfahrungen, Behandlung von Begleitsymptomen wie Ängsten, depressiven Verstimmungen 

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Elemente

alltagstaugliche Strategien und Hilfen gegen desorganisiertes Verhalten, Umgang mit Stimmungsschwankungen, Stress-Management und Impulskontrolle

evtl. spezifische Trainings für einzelne Symptombereiche

z.B. Neurofeedback-Training für die Erhöhung der Konzentration oder die Reduzierung der generellen inneren Unruhe

Wie und Wo kann ich abklären lassen, ob ich wirklich ADS oder ADHS habe?

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Wenden Sie sich dafür am besten an spezialisierte klinische PsychologInnen und/oder PsychiaterInnen.

Ich selber mache keine diagnostischen Abklärungen aber ich kann Ihnen gerne bei Bedarf einige spezialisierte KollegInnen nennen. 
Unter https://www.psychnet.at/ können Sie gezielt nach Klinischen PsychologInnen in Ihrem Bundesland/Bezirk suchen.

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