• Irene Tutzer

Ich bin erwachsen - wer kann mir sagen, ob ich vielleicht doch ADHS habe?

Wenn Sie Klarheit haben wollen, ist eine diagnostische Abklärung bei einem spezialisierten Klinischen Psychologen der beste Weg.


Eine solche Abklärung erstreckt sich über ein bis mehrere Treffen und besteht aus verschiedenen Bausteinen:


1. Ein ausführliches erstes Gespräch bzw. Interview.

In diesem Teil erfasst der Psychologe Ihre aktuellen Beschwerden und wird einiges über Ihr Leben und Ihren Alltag wissen wollen. Weiters wird er Sie auch nach Ihren Erinnerungen an Kindheit und Schulzeit fragen (war das Lernen und Ruhig-Sitzen für Sie schwierig, wie waren Ihre schulischen Leistungen, welche Rückmeldungen haben Sie von Eltern, Schule und Umfeld bekommen etc.)


2. Fragen zu Ihrer bisherigen Krankheitsgeschichte.

ADHS-typische Beschwerden können auch Folge von neurologischen oder anderen Grunderkrankungen sein (z.B. Schädel-Hirn-Verletzungen, Schlafstörungen, Schilddrüsenerkrankungen). Der Psychologe wird sich nach bisherigen schweren Erkrankungen bzw. Unfällen erkundigen und wissen wollen, ob Sie Medikamente nehmen oder welche ärztlichen Untersuchungen in letzter Zeit gemacht wurden.


3. evt. Gespräch mit einem Familienangehörigen oder einer anderen Person, die Sie gut und lange kennt (falls dies möglich ist und Sie das auch möchten).

Für den Psychologen ist es oft wichtig, auch zu hören, wie andere Personen Ihre beschriebenen Schwierigkeiten einschätzen und was eventuell von außen gesehen noch auffällt (Fremdbeurteilung).


4. Fragebögen bzw. Tests.

Es gibt inzwischen einige ADHS-Fragebögen für Erwachsene, welche die typischen Problembereiche nochmal gut abfragen.

Je nachdem welche Beschwerden Sie beschreiben, können unterschiedliche Tests herangezogen werden z.B. zur Einschätzung von Aufmerksamkeit oder Arbeitsgedächtnis.


Was Sie sonst noch wissen sollten

  • Plötzliche oder kurzfristige Symptome sprechen gegen ADHS. Heißt, die Schwierigkeiten, die Ihnen auffallen (z.B. mangende Konzentrationsfähigkeit, Stimmungsschwankungen, Schwierigkeiten mit Terminen und Zeitplänen, unorganisiert, etc.), müssen Sie schon lange an sich kennen.

  • Bei den allermeisten Betroffenen haben sich die Auffälligkeiten bereits in Kindheit und Jugend (vor dem 16. Lebensjahr) bemerkbar gemacht.

  • Für eine Diagnose "ADHS" müssen die Schwierigkeiten in mehreren Lebensbereichen auffallen (Ausbildung, Beruf, soziale Beziehungen, Partnerschaft/Familie, Umgang mit Geld, Freizeit, Alltag).


Was spricht für eine ADHS-Abklärung im Erwachsenen-Alter

  • ADHS ist inzwischen wissenschaftlich recht gut erforscht und es gibt laufend neue Erkenntnisse, von denen Sie als potentiell Betroffener profitieren können.

  • Für ADHS gibt es inzwischen mehr wirksame therapeutische Ansätze und Hilfen für den Alltag als für viele andere "psychischen Schwierigkeiten" im Erwachsenenalter.

  • Eine klare Diagnose schafft oft Erleichterung.


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